Die Auflösung des demokratischen Konsenses in den USA - Amerikaexperte am Katharinen-Gymnasium
Am 18. März 2025 konnten wir den renommierten Amerikaexperten Prof. Dr. Volker Depkat von der Universität Regensburg bei uns willkommen heißen.
Prof. Depkat hielt vor interessierten Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern der Oberstufe einen hoch interessanten Vortrag zum Thema "Cultural Wars and the Erosion of a Democratic Consensus in the US since the 1960s". In bestechender Klarheit analysierte Prof. Depkat die aktuellen politischen Entwicklungen in den USA und stellte sie in einen umfassenden historischen Kontext.
Seine Hauptthese war dabei, dass sich im Zuge des Civil Rights Movement seit den 1960ern bei den sich emanzipierenden Minderheiten ein umfassendes Rechtebewusstsein etabliert habe. Die immer lauteren Forderungen, dass der eigene Lebensentwurf mit allen anderen Lebensentwürfen in Amerika gleichwertig sein müsse, führten sowohl zu einer zunehmenden Auflösung des inneramerikanischen Konsenses was eigentlich „amerikanisch“ sei und gleichzeitig zu einer massiven Gegenbewegung vor allem der ländlichen, weißen und männlichen Bevölkerung gegen jede Art von Diversität. Dieser Kulturkampf ist laut Prof. Depkat auch verantwortlich dafür, dass auch der demokratische Konsens in den USA seither erodiert, weil alternative Lebensmodelle nicht mehr nur als anders und damit akzeptabel, sondern vielmehr als nicht hinnehmbar und „unamerikanisch“ angesehen werden. Die politische Auseinandersetzung wird damit zum „Kulturkampf“.
Gerade die Änderung der amerikanischen Einwanderungspolitik seit Mitte der 1960er Jahre, die statt der bis dahin vorherrschenden „Ellis-Island“-Immigration v.a. europäischer Einwanderer auf dem leichter kontrollierbaren Seeweg zu einer „hemisphärischen“ Einwanderung v.a. aus Mittel- und Südamerika auf dem Landweg geführt, die gleichzeitig mit einer deutlich gestiegenen illegalen Einwanderung einhergeht. Dieses Thema konnte Donald Trump ganz gezielt für seine Wiederwahl durch eine deutliche Mehrheit der US-Amerikaner nutzen.
Das Gefühl des „Kulturkampfes“, noch verstärkt durch die Angst vor „Überfremdung“, gepaart mit einem tiefen Misstrauen der Mehrheit der Amerikaner gegenüber jeglicher Regierung und der damit einhergehenden Einschränkung der individuellen Freiheit erklären sowohl die für viele Europäer unverständliche Wiederwahl Donald Trumps, wie auch seine extremen Maßnahmen zum Abbau unabhängiger bundesstaatlicher Institutionen, vor allem in den Bereichen in denen der Kulturkampf zwischen Konservativen und Liberalen besonders unerbittlich ausgefochten wird, nämlich in Bildung, Geschichtspolitik, Kunst und Kultur.
Diese beklemmende Einsicht, dass Donald Trump nicht der Grund für die Erosion des demokratischen Prozesses, sondern dessen extremes Symptom ist, war denn auch das Fazit des etwa einstündigen Vortrags, der sicher allen Anwesenden auch noch einmal die grundsätzlicheren Herausforderungen der Demokratie in unserer heutigen Zeit klar vor Augen geführt hat.
Wir bedanken uns herzlich bei Prof. Depkat für seinen Besuch und diese wertvollen Impulse!